Ambroise Marchand

Die Wasseramsel

Eine Jahresfotogeschichte

Es ist früh an einem Wintermorgen, die Temperaturen sind tief, und ich weiss schon, dass der Ansitz nicht angenehm werden wird. Trotzdem laufe ich weiter entlang eines Wildbachs im Tösstal (Kanton Zürich). Ich suche einen guten Platz, bereite die Kamera vor und  positioniere mich. Ich horche den Geräuschen des rasch fliessenden Wassers und des kalten Windes in den Ästen. Es dauert nicht lange, bis plötzlich ein leises "zick zick" ertönt... Sie ist da! Die Wasseramsel fliegt einmal an mir vorbei, wenige Minuten später fliegt eine zweite dem Bach entlang. Ich muss nicht lange warten, bis sie zurückkommen und direkt vor meinen Augen landen. Zuerst beginnen sie ihre Nahrung unter Wasser zu suchen, danach stehen sie auf Steinen und markieren ihr Revier mit lauten Rufen. Die Balz hat schon begonnen, und mein Fotoprojekt kann auch beginnen!

Die Wasseramsel wurde von Birdlife Schweiz zum Vogel des Jahres 2017 gewählt. Sie ist als einziger Singvogel, der gut schwimmen und auch sehr geschickt tauchen kann, der perfekte Botschafter für rasch fliessende und natürliche Bäche und Flüsse. Schwere markgefüllte Knochen und ein dichteres Gefieder als bei anderen Singvögeln sind zwei typische Anpassungen für diesen Lebensraum. Sie ist der einzige einheimische Singvogel, der 5 bis 15 Sekunden unter Wasser bleiben kann. Einige Individuen schaffen sogar bis einer Minute. Die Augen werden unter Wasser durch die halbtransparente Netzhaut geschützt und sind so eingerichtet, dass der Vogel sowohl oberhalb der Wasserlinie als auch unterhalb gleichermassen scharf sehen kann. Die Ohröffnung kann sich durch eine Hautfalte verschliessen. Ihre eher runde Körperform, die kräftigen Beine und die gut entwickelte Brustmuskulatur helfen der Wasseramsel, sich unter Wasser zu bewegen. Ihre dunkelbraune Körperfarbe und der hellere Kopf sind sehr gut an die Umgebung angepasst, nur der weisse Brustfleck verrät ihre Präsenz. Dank diesem hellen Fleck ist sie recht einfach zu entdecken. Die Wasseramsel pflegt ihr Gefieder oft, wobei sie ihre Federn mit einem durch die Bürzeldrüse produzierten Sekret sorgfältig imprägniert.

Im Frühling werden die Temperaturen endlich angenehmer! Das Amselpaar ist in seinem Revier sehr aktiv und hat schon ein Nest fertig gebaut. Die Eier wurden bereits gelegt, und wenn nicht gerade gebrütet wird, so suchen die Vögel ihr Futter. Die Wasseramsel ernährt sich hauptsächlich von Wasserinsekten und deren Larven, aber auch von kleinen Krebstieren, Fischen und Wasserschnecken. Ich schaue fast täglich vorbei, damit ich das Verhalten dieser Vögel über längere Zeit beobachten kann. Ich versuche, die verschiedenen Verhaltensweisen mit abwechselnden Kulissen zu dokumentieren, aber ich hoffe auch, dass bald die Jungen schlüpfen werden, damit ich mehr Aufnahme machen kann!

Gut zwei Wochen später sind die kleinen Jungvögel geschlüpft! Ich komme immer wieder, aber ich versuche, die Familie nicht zu stören. Mit Tarnanzug und Tarnnetz kann ich mich gut in der Ufervegetation verstecken, und mit sehr langen Brennweiten kann ich auch einen genug grossen Abstand zum Nest halten. So werden die Vögel nicht gestört, und es ist möglich, das Familienleben zu verfolgen. Die Eltern sind fleissig und bringen immer wieder Köcherfliegen, Eintagsfliegen, Steinfliegen oder Kriebelmücken für die Jungtiere, aber es ist nicht einfach, gute Fotos zu realisieren! Der Wildbach hat ein enges Tobel gegraben, und der dichte Wald lässt nicht viel Licht bis zum Ufer kommen. Hier sind hohe ISO-Werte, kleine Blenden und ein gutes und stabiles Stativ notwendig! Mit Geduld schaffe ich schöne Aufnahme zu machen!

Mehr Fotos zu den Wasseramseln aus dem Tösstal (ZH) und vom Doubs (JU) finden Sie hier.

 

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